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Mehr bewegen mit bewegtem Bild - Videos für dein Training

Geschrieben von Hans Peter Ludescher | Di, 21.03.2017

Videos sind ein fester Bestandteil von e-Learning geworden und es gibt einen klaren Trend zu mehr Video. Die gestiegene Nachfrage geht auf verschiedene Mechanismen zurück. Zum einen transportieren Videos durch Mimik und Gestik mehr Nähe als andere Inhalte und zum anderen sind Videos erst seit wenigen Jahren erheblich günstiger und einfacher zu produzieren und an jedem Ort abrufbar.

Kürzlich habe ich über das Lernen und Arbeiten mit Videos geschrieben. Viele Trainer und Trainerinnen beschäftigen diese Fragen:

  • “Soll ich mehr Video in meine Trainings einbinden?”
  • “Wie unterstützen Videos den Lernerfolg und den Transfer?”
  • “Wie kann ich Videos selber erstellen?”

In diesem Artikel möchte ich dir Antworten auf diese Fragen geben. Ich stelle dir eine Übersicht von 9 Videoarten (z. B. Bildschirmvideo, Lernvideo, Vorstellung, Interview uvm.)vor, die im Training zum Einsatz kommen können.

Mehr Video im Training

Video ist kein Selbstzweck. Ein Video hat, wie jeder andere Trainingsinhalt, einen Sinn und Zweck für dein Training. Jeder Trainingsinhalt macht es dem Lerner so einfach wie möglich die Informationen aufzunehmen und unterstützt den Lerner dabei Fortschritte in seiner Entwicklung zu machen. Diese Grundlage gilt ganz unabhängig vom Medientyp (Text, Bild, Audio, Video). Wenn Videos zum Einsatz kommen, dann unterstützen sie ein bestimmtes Trainingsziel und machen das effektiver als z. B. ein Handout, ein Arbeitsblatt oder ein Fotoprotokoll. Es geht nicht darum, andere Medien durch ein Video zu ersetzen, nur weil Videos im Moment gefragt sind. Es soll mit den Medien gelernt werden, die den größten Lernerfolg versprechen.

Videos haben an dieser Stelle großes Potenzial im Training und in der Weiterbildung. Ein Video bietet dir die Chance den Teilnehmer persönlich anzusprechen, so dass er am Ball bleibt und sich selbst zu der Arbeit mit den Trainingsmaterialien motiviert. Zum Beispiel kannst du dich in einem Video sehr gut persönlich vorstellen, einführend über ein Trainingsthema sprechen und die Neugier der Zuschauer wecken. In diesem Anwendungsfall sind die Videoinhalte ein unterhaltsames, informatives Hilfsmittel, die den Rahmen des Trainings gestalten, vor allem wenn du nicht selbst vor Ort bei den Teilnehmern bist (z. B. in einer Online-Begleitung oder einem Blended-Learning-Lernprozess).

Wenn es konkreter um Lernen geht, dann gelten ähnliche Regeln wie bei allen anderen Lernmaterialien: unter den richtigen Bedingungen unterstützen Videos das Lernen und Handeln. Die Bedingungen sind in diesem Beitrag sehr schön aufgeführt. Du kannst in einem Lernvideo gut darstellen, wie das Thema im Training behandelt wird oder du erklärst wie dein Teilnehmer bei einer Übung vorgeht.

Per Video kannst du sehr authentisch eine Meinung von einem Trainingsteilnehmer nach dem Training aufzeichnen. Wie du bemerken wirst, gibt es verschiedene Szenarien, die per Video realisierbar sind, dennoch unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Die richtige Art von Video für dein Training

Wenn du mit deinen eigenen Videoinhalten starten möchtest, dann musst du das Rad nicht neu erfinden. Mache dir einen Überblick deiner Lerninhalte und suche dir einen oder zwei Lerninhalte heraus, die du gut in ein Video umwandeln kannst oder dein Training mit einem zusätzlichen Video erweitern kannst. Im Nachgang lassen sich problemlos weitere Videos ergänzen. Es ist sowieso besser, sich so schnell wie möglich ein Feedback zu holen. Ich habe in unseren Workshops die Erfahrung gemacht, dass es viel wichtiger ist, mit der Umsetzung niederschwellig zu starten, als an einem perfekt ausgeklügelten Konzept zu arbeiten und anschließend nicht zu wissen, wo angesetzt werden soll.

Jetzt aber zu den Videos. Videos sind sehr vielseitig. Daher fällt die Wahl nicht leicht. Ich zeige dir einige Videoarten, die du mit deinen Trainingsmaterialien kombinieren kannst und in zusätzlich einbauen kannst. Ich habe mich an diesen Bericht vom Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) angelehnt. Der Bericht konzentriert sich eher auf Hochschulen, bietet aber einige interessante Ansatzpunkte. Die Beschreibungen und Fragen zu jedem Videotyp bzw. Videostil können dir die Auswahl leichter machen.

Stil 1: Die persönliche Ansprache

Im Video bist du als Trainer vor einem neutralen Hintergrund zu sehen. Du richtest deine Ansprache direkt an deine Teilnehmer. In unserem Studio@home-Workshop zeigen wir dir, wie du sowohl technisch als auch didaktisch deine eigenen Videos mit dem Smartphone drehst. In diesen Beiträgen (Lernvideos; Videos per Smartphone; Trainer 4.0) beschreibe ich, wie du Vorgehen kannst, wenn du eigene Videos mit dem Smartphone erstellen möchtest.

    Zu Berücksichtigen / Fragen:
  • Kannst du dich und deine Trainer-Persönlichkeit in dem Video zum Ausdruck bringen?
  • Zur Erstellung gibt es bei uns Onlinekurse und Anleitungen.

Stil 2: Die persönliche Ansprache mit Einblendungen

Den gleichen Aufbau wie bei der persönlichen Ansprache. Im Video werden neben dem Trainer Texte oder Grafiken eingeblendet.

    Zu Berücksichtigen / Fragen:
  • Unterstützen die Einblendungen das Gesagte?
  • Ist der Text begrenzt, damit der Zuschauer nicht zu viel lesen muss und sich daher nicht parallel auf das Gesagte konzentrieren kann?

Stil 3: Die Präsentation mit Sprachaufnahme

Deine Präsentationsfolien sind im Bild zu sehen. Du erklärst per Sprachaufnahme, worum es geht. Mit grafischen Hinweisen (z.B. ein gezeichneter Pfeil oder ein Kreis) richtest du die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf bestimmte Aspekte.

    Zu Berücksichtigen / Fragen:
  • Ergänzen sich die Sprachaufnahme und Präsentation (im Sinne von, die Folien werden nicht einfach vorgelesen)?
  • Sind die Folien übersichtlich, lesbar (Smartphone!!!), nachvollziehbar aufgebaut und ansprechend?
  • Ist die Audioaufnahme verständlich?

Stil 4: Die Präsentation mit Sprachaufnahme und Bild im Bild Einblendung

Gleicher Aufbau wie bei der Präsentation mit Sprachaufnahme. Darüber hinaus wird eine Einblendung des Trainers ins Bild eingefügt, z.B. in die Ecke unten rechts.

    Zu Berücksichtigen / Fragen:
  • Warum bist du zusätzlich im Bild zu sehen? Wie weiß der Zuschauer, wann er auf dich bzw. die Präsentation achten soll?

Stil 5: Die Bildschirmaufnahme

 

 

Bei einer Bildschirmaufnahme zeichnest du deine Monitoransicht als Video auf. Gleichzeitig kommentierst du per Audioaufnahme, was du gerade machst. Diese Technik kommt häufig bei der Erklärung von Software zum Einsatz, weil bestimmte Abläufe in einem Programm vorgeführt werden können. Der zweite Anwendungsfall ist die Webinaraufzeichnung.

    Zu Berücksichtigen / Fragen:
  • Sind die einzelnen Schritte visuell nachvollziehbar?
  • Ist dem Zuschauer bekannt, worauf er seine Aufmerksamkeit richten muss?

Stil 6: Erklärvideo (Animation)

 

 

 

 

Wenn du abstrakte Konzepte erklären willst, thematische Beziehungen verdeutlichen möchtest oder Abläufe vorstellst, dann bietet sich das Erklärvideo an. Selbstgemachte Erklärvideos bekommst du, wenn du deine eigenen Zeichnungen verwendest. Ich habe in diesem Beitrag gezeigt, wie du von einer (Flipchart) Zeichnung zu einem Video gelangst.

    Zu Berücksichtigen / Fragen:
  • Welchen Zweck hat die Animation?
  • Sind Aufwand und Einsatzzweck ausgewogen?

Stil 7: Trainingsaufzeichnung

 

 

Dein Zuschauer bekommt einen Ausschnitt von einer Trainingssession zu sehen. Das könnte beispielsweise ein Vortrag von dir sein, oder auch eine Gruppenübung.

    Zu Berücksichtigen / Fragen:
  • Welche Ausschnitte sollen deine Zuschauer zu sehen bekommen?
  • Sind die Ausschnitte auch ohne Gesamtkontext verständlich?

Stil 8: Das Interview

 

 

Du nimmst ein Interview mit einem Experten oder einer Führungskraft auf. Die Interviewfragen bereitest du im Vorfeld vor.

    Zu Berücksichtigen / Fragen:
  • Sind die Fragen originell, relevant und interessant?

Stil 9: Die Gesprächssituation

 

 

Etwas freier als das Interview (z. B. ohne vorbereitete Fragen) ist eine Aufzeichnung von einem Gespräch. Zu sehen bist du und ein Trainingsteilnehmer oder ein anderer interessanter Gast. Mit diesem Gast besprichst du ein Trainingsthema, diskutierst über eine Problemstellung oder erfragst persönliche Erfahrungen.

    Zu Berücksichtigen / Fragen:
  • Was bietet die Aufzeichnung dem Zuschauer?

Unterschiedliche Videos für verschiedene Phasen im Training

Jede Phase im Trainingsprozess verfolgt unterschiedliche Ziele und Schwerpunkte. Daher kommen in den verschiedenen Trainingsphase unterschiedliche Videos zum Einsatz. In der Zeit vor dem Trainingsbeginn können Videos deine Teilnehmer auf das Trainingsthema vorbereiten. Hier sind Videos auch ein gutes Instrument für dich, um die Teilnehmern neugierig zu machen und für das Trainingsthema zu motivieren.

Während des Trainings kannst du Fallbeispiele mit Videos unterstützen. Wenn es passt, dann sorgen kurze Videoclips auch während dem Training für Abwechslung oder können eine Gruppenübung einleiten. Während der Transferphase beschäftigen sich die Teilnehmer mit der Umsetzung deiner Trainingsinhalte. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Inhalte in der Regel gelernt. Du wirst nicht so viele neue Aspekte vorstellen.

Ein interessantes Interview oder eine Dokumentation, die zum nachdenken anregt, runden dein Trainingsangebot ab. Mit Videobotschaften kannst du die Teilnehmer an das Üben erinnern und ganz bewusst zu Rückmeldungen auffordern. Du möchtest deine Teilnehmer unterstützen, wenn sie deine Methoden und Übungen zur Anwendung bringen. In der Transferphase sind Videos auch hilfreich, um Informationen aufzufrischen und zu wiederholen. Das Video muss in dem Fall nicht alleine sein. Ideal ist es, wenn es mit einer Rückmeldung oder einer Aufgabe kombiniert ist.

Welche Videos kommen bei dir zum Einsatz? Du brauchst Hilfe oder neue Ideen? Schreib mir, wie ich dich unterstützen kann!