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Schema: Lernformen mit Blended Learning werden unterteilt in Ort und Zeit
5 Min. Lesezeit

Live und Online: Was Training im digitalen Raum ausmacht

Corinna Günther
Mo, 18.06.2018

Die Welt der Trainings und Coachings verändert sich fließend und wird zunehmend digitaler. In diesem Zuge tauchen in der Fachwelt immer wieder neue Begriffe auf. So auch das “Live-Online-Training”, das wir in diesem Artikel begrifflich genauer unter die Lupe nehmen. Dafür unternehmen wir einen Ausflug in Raum und Zeit.

Das neue Buzzword: Live-Online-Training

Im Artikel “Vorsprung durch Live-Online-Trainings” in der Training Aktuell vom Juni 2018 schreiben Alexandra Altmann und Carsten Blumenstein (beide von virtuu) über die Vorteile dieses Formats: Es ist live, es ist online, es ist interaktiv – du als Trainer musst also weniger reisen und kannst deine Teilnehmer auch online aktiv gestalten. So beschreiben viele Trainer und Experten auch das Lernformat des Webinars – ein Begriff, der in der Fachwelt inzwischen seinen festen Platz hat.

Für Altmann und Blumenstein liegt der Unterschied in dem Maß der Interaktionen. So bestünden Webinare meist nur aus einer Präsentation des Referenten und der Möglichkeit, Fragen zu stellen. Bei Live-Online-Trainings würden stattdessen spezielle Tools des virtuellen Klassenraums, wie Chat oder Umfragen ins Spiel kommen:

“Diese intensive synchrone Kommunikation macht den Unterschied zwischen Live-Online-Training und dem meist passiven Webinar aus.” (Training aktuell Nr. 6/2018, S. 28)

Diese Unterscheidung scheint schwammig, da zwar viele Webinare zum Großteil aus einer Präsentation bestehen, dies jedoch eher eine persönliche Entscheidung des Trainers ist als ein Faktor des Begriffs Webinar. Keine Frage – die Methode, online und live Trainings zu halten, kann je nach Situation sinnvoll und passend sein. Doch ein begrifflicher Unterschied zum klassischen Webinar besteht nicht.

Ein Ausflug in die Welt der Begriffe: Webinar, Live und Online

Was ist ein Webinar?

Laut Duden ein “online stattfindendes Seminar”, laut Wikipedia ein “Seminar, das über das World Wide Web gehalten wird”. Das sagt uns auch der Begriff allein, setzt sich Webinar doch aus den Wörtern Web + Seminar zusammen.

Was ist ein Live-Online-Training?

Der Begriff selbst taucht weder im Duden noch in Wikipedia auf. Gehen wir auch hier nach der Zusammensetzung des Begriffs selbst, so haben wir schlichtweg ein Training, das live und online stattfindet.

Wir haben also Web + Seminar auf der einen Seite und Online + Live-Training auf der anderen. Siehst du einen Unterschied?

Für Altmann und Blumenstein liegt der Unterschied in der Interaktivität. Doch diese wird in Begriffen wie Seminar oder E-Learning gar nicht begrifflich unterschieden! Und auch ein Webinar (= Web+Seminar) sollte ein gewisses Maß an Interaktivität beinhalten. Sonst wäre es ja eine Vorlesung oder eine reine Übertragung.

Ja, man könnte einen neuen Begriff für ein ganz besonders interaktives Webinar einführen. Doch zielführend wäre das nicht – im Gegenteil: Die Begriffswelt von modernen Trainings ist jetzt schon ein sehr breites Feld, bei dem viele Trainer schnell den Überblick verlieren. Und konsequenterweise müssten wir dann auch Begriffe für besonders interaktive klassische Seminare finden oder ein besonders interaktives E-Learning.

Klar ist: Live bedeutet, dass es einen fixen Zeitpunkt für die Veranstaltung gibt. Falls das der Fall ist, so ist Interaktivität grundsätzlich ein guter Faktor, um den Lerneffekt zu erhöhen. Das berücksichtigen selbst Speaker, die in ihre einseitigen Vorträge Fragen ans Publikum mit einbeziehen. Im Seminar ist die Interaktivität grundsätzlich höher – doch wie hoch, das ist per Definition nicht festgelegt.

Was den fixen Ort angeht, besteht sowieso Klärungsbedarf: In unserer modernen Welt sollten wir mehr und mehr dazu übergehen, von einem digitalen Ort und einem physikalischen Ort zu sprechen.

Matrix: Raum und Zeit für Lernformen

Wir Menschen sind gebunden an die Dimensionen von Raum und Zeit. Auch in Trainings, Coachings und Schulungen sind diese beiden Begriffe Ankerpunkte, um verschiedene Lernformen voneinander abzugrenzen: So ist E-Learning beispielsweise ungebunden an Raum und Zeit, ein Webinar aber nach der herkömmlichen Definition nur ungebunden an den Raum:

Schema: Lernformen mit Blended Learning werden unterteilt in Ort und Zeit

Matrix 1: Um Lernformen voneinander abgrenzen zu können, definiert man diese klassischerweise durch ihre Abhängigkeit von Zeit und Ort.

Durch die Digitalisierung wird diese Einteilung aber immer ungenauer und selbst unsere physikalischen Fixpunkte Raum und Zeit müssen hinterfragt werden. Oder zumindest die Dimension des Raumes – denn schließlich spricht man bei Webinaren oder Live-Online-Trainings von digitalen Klassenräumen.

Was verstehst du unter einen Raum? Wahrscheinlich denkst du zuerst an einen physikalisch vorhandenen Ort, zum Beispiel ein Zimmer in einem Haus. Vier Wände, Boden, Decke. Doch wenn wir länger darüber nachdenken, so bezeichnet der Begriff “Raum” auch einen Ort im philosophischeren Sinn. Auch der Duden gibt hier teilweise widersprüchliche Definitionen, zum Beispiel:

  • (Raum ist) eine in Länge, Breite und Höhe fest eingegrenzte Ausdehnung
  • (Raum ist) eine in Länge, Breite und Höhe nicht fest eingegrenzte Ausdehnung

Gehen wir zurück zu den Begriffen Webinar oder eben auch Live-Online-Training (was ja quasi dasselbe ist, wie wir oben festgestellt haben): Würdest du hier von einem fixen Ort sprechen? Der digitale Raum ist schließlich schon fix, sonst würden sich die physikalisch verstreuten Teilnehmer und Trainer niemals treffen.

Auch Online-Lernformen wie E-Learning oder Webinare funktionieren also nicht per se unabhängig von örtlichen Bedingungen: Ich brauche Zugang zu einer ganz bestimmten Webseite, einer Plattform – ich befinde mich digital an einem ganz bestimmten Ort!

Passen wir daher unsere obige Matrix an diese erweiterte Beschreibung des Ortes an und unterscheiden jetzt zwischen dem physikalischen und dem digitalen Ort:

Schema: Lernformen im digitalen und physikalischen Raum mit Blended Learning

Matrix 2: Durch die zunehmende Digitalisierung wird der Begriff des “Ortes” ungenau. Das Schaubild zeigt aktuelle Lernformen in Abhängigkeit von Zeit sowie von digitalem und physikalischem Ort. So hat etwa ein Präsenz-Seminar einen physikalischen Ort und einen fixen Zeitpunkt.

Begriffe und Lernformen im Wandel

Die zweite Matrix sieht sehr komplex aus, das stimmt. Wir finden: Es ist sinnvoll, sich einmal damit auseinandergesetzt zu haben, um ein Verständnis von der Komplexität der Begriffe rund um neue Lernformen zu bekommen.

Aber ein grundlegendes Verständnis reicht dann auch! Was ein Training ausmacht, sind letztendlich immer die Inhalte und die Bedürfnisse der Teilnehmer. Wie du dein Training am Ende nennst, ist völlig dir überlassen. Konzentriere dich auf die Inhalte und passe die Lernform darauf an, nicht umgekehrt. Ob das Kind dann “Webinar” oder “Live-Online-Training” nennst, ist unwesentlich.

Von allen Lernformen profitieren: Blended Learning

In diesem Artikel sollte es nicht darum gehen, das Konzept Live-Online-Training völlig zu verwerfen. Das ist hoffentlich klar geworden. Wir sind jedoch von zwei Sachverhalten zu diesem Themenkomplex überzeugt:

  1. Live-Online-Training ist dasselbe wie ein Web-Seminar (Webinar)
  2. Keine Lernform allein ist die ultimative Lösung der Zukunft

Der zweite Punkt ist inhaltlich ausschlaggebend: Egal, ob du ein Fan des Begriffs “Webinar” oder des Begriffs “Live-Online-Training” bist – für sich allein genommen ist die Lernform lange nicht so effektiv und nachhaltig wie wenn du sie mit anderen Formen kombinierst. Ein live-stattfindendes Training fällt unter die Kategorie “Präsenz”.

Vor kurzem haben wir hier im Blog einen Überblick über aktuelle Begriffe zu verschiedenen Lernformen gegeben und dabei geschrieben: “Unter Präsenzlernen verstehen wir eine Lernform, bei der die Teilnehmer zu einer bestimmten Zeit gemeinsam anwesend (präsent) sind.” – also auch das Webinar oder Live-Online-Training. In der zweiten Matrix oben sind das alle Lernformen unter “fixer Zeitpunkt” und “fixer physikalischer Ort”.

Sobald du dich nicht auf ein einziges Lernformat beschränkst, sondern mindestens zwei miteinander kombinierst, nutzt du Blended Learning. Dabei empfiehlt die Fachwelt die Kombination einer Präsenz-Form mit einer Form des E-Learning, da diese beiden jeweils eigene Vorteile mit sich bringen.

Die Teilnehmer deines Trainings profitieren von dieser Kombination, weil verschiedene Lerntypen angesprochen werden und sie persönlich motiviert werden (Vorteil Präsenz) und selbstgesteuert üben können (Vorteil E-Learning).

Blended Learning Modell: Der Springer – abwechselnd Präsenz und Online

Ein typisches Modell von Blended Learning: Live-Präsenzveranstaltungen wechseln sich ab mit E-Learning-Impulsen.

Fazit: Live-Online-Training nur in Kombination mit anderen Lernformen

Live-Online-Trainings werden als besonders interaktive Webinare definiert, eine wesentliche Trennung zwischen beiden Begriffen gibt es jedoch nicht. Falls du überlegst, dich näher mit dieser Lernform zu beschäftigen, so raten wir dir: Verwende Blended Learning und kombiniere das Live-Online-Training mit E-Learning. Durch eine online-gestützte Selbstlernphase können deine Teilnehmer das Gelernte langfristig verinnerlichen und in ihren Alltag integrieren.


Du bist anderer Meinung und siehst einen begrifflichen Unterschied zwischen Live-Online-Training und Webinar? Schreib uns gern einen Kommentar unter diesem Artikel, wir freuen uns auf Diskussionen!

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