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E-Learning ist nicht gleich E-Learning! 7 digitale Lernmethoden im Vergleich

Laura Evers
Mi, 27.11.2019

Ob Micro-Learning, WBT oder Videotraining: E-Learning ist in der Weiterbildungsbranche auf dem Vormarsch! Dabei sorgt die große Vielfalt an digitalen Lernmethoden oft für Verwirrung. Wir haben die 7 wichtigsten Methoden miteinander verglichen und geben dir in diesem Artikel den vollen Überblick!

“Gibt’s das Thema auch als E-Learning?” – Vielleicht hast auch du diese Frage schon mal von einem potentiellen Kunden gehört. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass du so oder so ähnlich schon in Kontakt mit dem Thema E-Learning gekommen bist. Laut einer aktuellen Studie der Plattform für berufsbezogene Erwachsenenbildung setzen heute immerhin schon 68% aller Unternehmen digitale Lernmethoden in der Weiterbildung ein.

Das bedeutet nicht nur für die Unternehmen eine Umstellung, sondern auch für die Trainer, die solche digitalen Maßnahmen durchführen sollen. Bleibt der Trend weiter so stark, ist “digitales Lernen” in ein paar Jahren ein Angebot, das du als Trainer deinen Kunden bieten musst.

Schwierig wird das Ganze erst beim Blick auf die Fülle an unterschiedlichen Methoden. Oftmals ist nicht ganz klar, welche Form von E-Learning sich der Kunde überhaupt wünscht: Blended Learning, Micro-Learning, Videotraining oder WBT? Um hier als Trainer die optimale Entscheidung zu treffen, musst du wissen:

  1. was die Begriffe eigentlich bedeuten,
  2. wo die Unterschiede zwischen den Methoden liegen und
  3. für welchen Zweck sie jeweils am besten geeignet sind.

Im Folgenden geben wir dir daher einen kurzen Überblick über die wichtigsten digitalen Lernmethoden für die Erwachsenenbildung:

Das “who is who” der digitalen Lernmethoden

Die Basis: E-Learning

Laut Definition umfasst E-Learning, kurz gefasst, “alle Formen von Lernen (...), bei denen elektronische oder digitale Medien (...) zum Einsatz kommen.” E-Learning ist also keine digitale Lernmethode an sich, sondern der Oberbegriff für viele unterschiedliche Methoden.

Methode 1: Blended Learning

Beim Blended Learning ergänzt du Präsenzveranstaltungen mit Online-Kursen. Genau genommen ist Blended Learning keine reine E-Learning-Methode, sondern eine Kombination von analogen und digitalen Lernmethoden.

Blended Learning bedeutet nicht, dass du ein Präsenztraining durchführst und im Online-Kurs die gleichen Inhalte digital anbietest. Vielmehr teilst du die Inhalte sinnvoll auf: Theoretisches Wissen vermittelst du am besten im Online-Kurs. Die oft knappe Präsenzzeit nutzt du dann ausgiebig für den Praxistransfer.

Methode 2: M-Learning

Im Artikel "Was zur Hölle ist M-Learning?" hat sich Kollegin Corinna kürzlich mit dem Begriff auseinandergesetzt und gezeigt: Der moderne Begriff M-Learning ist einfach nur die Kurzform von “mobile learning”.

Lerninhalte werden beim mobile learning auf einem Smartphone oder Tablet aufgerufen. Mobile learning und E-Learning werden häufig voneinander abgegrenzt, laut Definition ist M-Learning jedoch eindeutig eine Form von E-Learning – nur eben nicht am PC, sondern am Mobilgerät.

Methode 3: Micro-Learning

Beim Micro-Learning teilst du das gesamte Wissen aus deinem Training in möglichst kleine, gut verdauliche Lernhäppchen. Damit vermeidest die Überforderung deiner Teilnehmer und unterstützt den langfristigen Lerneffekt.

Digital kannst du beispielsweise jeden Tag kleine Lerneinheiten anbieten, ohne täglich anwesend zu sein. Micro-Learning ist ein Allrounder unter den E-Learning-Methoden und lässt sich perfekt mit Blended Learning oder M-Learning kombinieren. Wie das am besten funktioniert, kannst du in diesem Artikel nachlesen.

Methode 4: Videotraining

Ein Videotraining ist ein E-Learning, das überwiegend oder vollständig aus Lernvideos besteht. Die Videos sind online für die Teilnehmer verfügbar. So können sie in ihrem eigenen Tempo und ortsunabhängig lernen.

Videotrainings geben dir die Möglichkeit, auch komplexe Lerninhalte einfach und wiederholbar anzubieten. Dazu sind Videos authentisch und deutlich motivierender als Texte oder andere “stumme” Lernmedien. Und für dich als Trainer sind Lernvideos auch einfach zu produzieren – wenn du einige klassische Fehler vermeidest!

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Methode 5: WBT

Das Web-Based-Training (WBT) ist wohl das, was sich die meisten Kunden unter dem Begriff E-Learning vorstellen: Du stellst Lerninhalte auf einer Lernplattform oder in einem Programm über das Internet bereit.

Im Unterschied zum mobile learning müssen die Inhalte eines WBT nicht unbedingt mobil verfügbar sein. Auch die Länge der Lerneinheiten ist grundsätzlich nicht fest vorgegeben. Ein WBT ist quasi die Grundform eines E-Learnings, das durch die anderen Methoden gezielt ergänzt werden kann.

Methode 6: Webinar

Bei einem Webinar hältst du einen Vortrag vor einer virtuellen Teilnehmergruppe. Das ist sowohl live, als auch über eine Aufzeichnung möglich, die zeitunabhängig online zur Verfügung steht.

Webinare eignen sich sehr gut, wenn du sehr große Teilnehmergruppen hast, die nicht an einem Ort zusammen sitzen – eine Präsenzveranstaltung also nicht möglich ist. Aufzeichnungen kannst du beispielsweise in ein WBT einbinden und mit ergänzenden Online-Inhalten ein komplettes Training im digitalen Raum anbieten.

Methode 7: Virtual Reality

Über eine spezielle volldigitale Brille können Teilnehmer in einem virtuellen Raum wichtige Abläufe und Situationen in Echtzeit üben. Der Clou: Die Teilnehmer können selbst Einfluss auf das Geschehen nehmen!

Diese digitale Lernmethode ist wohl die neueste unter den genannten. Virtual Reality wird aber schon bei einigen großen Unternehmen wie der Deutschen Bahn und Stihl erfolgreich eingesetzt (hier ein Bericht). Noch gibt es nur wenige Projekte – es ist jedoch möglich, dass sich die Technologie in den nächsten Jahren weiter verbreitet.


Übersicht: Die 7 wichtigsten digitalen Lernmethoden

Viele Begriffe, viele Informationen! Die folgende Tabelle soll dir helfen, für dein Training und den Wunsch deines jeweiligen Kunden die richtige E-Learning-Methode zu wählen.

  Wichtig ist die Unterscheidung in synchrone (s) und asynchrone (a) Methoden: Damit weißt du, ob du für die jeweilige Methode vor Ort anwesend sein musst, oder ob deine Teilnehmer räumlich unabhängig von dir lernen.

Methode Vorteile Einsatzmöglichkeiten

Blended Learning

(s + a)

Kombiniert Präsenz mit Online-Lernen. Hohe Nachhaltigkeit. Kein Verzicht auf persönliche Betreuung. Grundwissen kann digital vermittelt werden, auf Präsenz soll / kann aber nicht verzichtet werden.

M-Learning

(a)

Lernen am Mobilgerät orts- und zeitunabhängig. Mobilgeräte werden von Teilnehmern gern genutzt. Hohe Flexibilität. Es sind nicht genug stationäre Geräte für alle Teilnehmer vorhanden. Lernen auf dem Arbeitsweg oder von zuhause aus gewünscht.

Micro-Learning

(a)

Keine Überforderung der Teilnehmer. Hohe Flexibilität. Vielseitig kombinierbar. Umfangreiche Lerninhalte sollen in kleinen Schritten vermittelt werden, z.B. in Kombination mit M-Learning.

Videotraining

(a)

Vereinfacht die Inhalte. Sehr motivierend. Sehr persönlich. Schnell und einfach zu produzieren. Komplexe Abläufe oder Programme am Arbeitsplatz sollen möglichst praxisnah erklärt und gezeigt werden.

WBT                 

(a)

Einfache Basis für alle anderen Methoden. Vielseitig kombinierbar. Gut geeignet für den Einstieg in digitale Lernmethoden. Kann mit allen anderen Methoden ergänzt und ausgebaut werden.

Webinar             

(s / a)

Gut geeignet für sehr große Teilnehmergruppen. Präsenz ortsunabhängig möglich. Sehr persönlich. Vielseitig kombinierbar. Einen häufig gehaltenen Vortrag aufzeichnen und zukünftig einheitlich digital anbieten, wenn Teilnehmer nicht vor Ort sein können.

Virtual Reality

(a)

Realitätsnah. Gut geeignet für die Übung von Abläufe. Verbindet virtuelles und reales Lernen. Neue Abläufe in technischen oder medizinischen Berufen im geschützten virtuellen Raum üben, statt am echten Objekt.

Fazit: Nicht jede digitale Lernmethode passt zu jedem Training!

Kommen wir noch einmal auf die Frage vom Anfang: “Gibt’s das Thema auch als E-Learning?” kannst du nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Du musst wissen, was sich der Auftraggeber genau unter E-Learning eigentlich vorstellt und was umsetzbar ist. Es gibt nicht das E-Learning, da E-Learning unterschiedlichste Formen annehmen kann.

Kläre mit deinem Kunden 3 Fragen, bevor du dich für eine Methode entscheidest:

  1. Begrifflichkeit: Was genau versteht dein Kunde unter E-Learning? Stellt er sich ein klassisches WBT vor oder denkt er an ein Videotraining oder ein Webinar?
  2. Ziel: Welches Ziel verfolgt dein Kunde mit dem Wunsch, E-Learning einzusetzen? Achtung: Das Format sollte nie zum Selbstzweck werden! Warum es wichtig ist, das Format an das Ziel anzupassen, erfährst du in diesem Artikel.
  3. Technik: Sind überhaupt die benötigten Geräte für die verschiedenen Methoden vorhanden? Haben alle Teilnehmer Mobilgeräte für mobile learning? Können Videos auf Firmen-Computern überhaupt abgespielt werden?

Anhand dieser drei Fragen und der Übersicht oben kannst du die digitale Lernmethode wählen, die für dich, deinen Kunden und die Teilnehmer ideal ist.


Für einen leichten Einstieg in die Welt der digitalen Lernmethoden empfehlen wir dir, mit Blended Learning zu beginnen. Wie beschrieben kombinierst du in einem Blended Learning Präsenzseminare mit einer Online-Begleitung. Wie du diese vielseitige Methode richtig umsetzt, erfährst du in unserem kostenlosen Leitfaden.

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